Warum werde ich im Urlaub immer krank
Das Loslassen ist nicht der Fehler. Es ist der Auslöser.
Zweiter Urlaubstag. Elf Uhr vormittags.
Du liegst auf der Liege. Neben dir ein halb ausgetrunkener Flat White.
Und diesmal hast du alles richtig gemacht. Laptop zu Hause. Handy in der Schublade. Seit gestern nicht angefasst.
Und dann kratzt der Hals.
Ausgerechnet jetzt.
Das Loslassen war der Auslöser
Kennst du das?
Und ich meine nicht nur den Urlaub. Ich meine das verlängerte Wochenende, auf das du dich die ganze Woche gefreut hast. Samstagfrüh, Gliederschmerzen, wie durch den Kakao gezogen.
Oder Weihnachten. Alle sitzen am Tisch, und bei dir läuft die Nase.
Welches davon kennst du?
Jetzt pass auf, weil das erstmal unlogisch klingt.
Du denkst dir: Ich hab doch alles richtig gemacht. Und trotzdem.
Das Trotzdem ist der Fehler. Es gibt kein Trotzdem.
Du bist krank geworden, weil du losgelassen hast. Das war nicht der Fehler. Das war der Auslöser.
Stell dir vor, du fährst dein Auto monatelang im roten Drehzahlbereich. Genau das machst du mit deinem Körper. Höher, schneller, weiter.
Und weißt du, was er macht? Er drückt alles weg. Du wirst nicht krank, weil du es dir gerade nicht leisten kannst. Der Launch steht an. Das Projekt muss raus.
Dein Körper lernt also: Unter Stress darf ich nicht krank sein.
Und dann ist der Launch durch. Du gehst in den Urlaub. Der Druck fällt ab.
Und dein Körper sagt: Oh cool. Jetzt ist Pause.
Und serviert dir die Rechnung.
Ich hab das lange für Schwäche gehalten. Jahrelang. Ist es nicht.
Und soll ich dir was sagen? Es trifft ausgerechnet die, die viel Verantwortung tragen.
Also wahrscheinlich dich.
Im Profisport steht der Ruhetag im Trainingsplan. Fest. So fest wie die harte Einheit.
Im Büro ist ein Ruhetag ein Notfall.
Ich bin immer erreichbar und nie krank
Jetzt sagst du vielleicht: Hey Chris, Quatsch. Ich bin immer erreichbar, geb immer Vollgas, werd nie krank. Funktioniert doch.
Ja klar funktioniert das. Weil du auf Betrieb bleibst. Die Rechnung wird nie aufgemacht.
Ich war genau so einer.
Ich war mit meiner Frau und den Kindern in Italien. Urlaub, bei ihrer Familie. Und mittendrin hab ich den Koffer gepackt. Nach Rom, dann nach Frankfurt, dann dreizehn Tage mit dem BVB durch Asien.
Danach zurück zur Familie.
Körperlich.
Im Kopf lief die Tour weiter.
Und ich hab mir gesagt: Ist halt so. Der Job verlangt das.
Jetzt du. Ganz ehrlich.
Nimmst du das Handy mit in den Urlaub? Setzt du dich morgens an den Frühstückstisch und schaust als Erstes in die Inbox?
Und wann hast du es zuletzt geschafft, zwei Wochen am Stück nicht reinzuschauen?
Wenn dir da nichts einfällt, dann hältst du den Puls hoch und nennst es Urlaub.
Im Fußball ist das der Spieler, der jedes Spiel durchspielt. Jede englische Woche, jedes Pokalspiel.
Und in der Winterpause liegt er flach.
Der Körper nimmt sich die Schonzeit, die er braucht. Wann er sie braucht. Ob du willst oder nicht.
Weihnachten, Betriebsurlaub, jedes Jahr krank
Es gab bei mir jedes Jahr einen Moment, in dem ich keine Wahl hatte.
Weihnachten. Betriebsurlaub. Firma zu. Keiner erreichbar, kein Termin möglich. Bundesliga in der Winterpause, kein Spieler am Gelände.
Und jedes Jahr, so sicher wie der Tannenbaum im Wohnzimmer, lag ich flach.
Jedes Jahr.
Nicht weil ich frei haben wollte. Weil ich nicht konnte.
Und diese Zwangsruhe hat meinem Körper zum ersten Mal im Jahr erlaubt, loszulassen.
Ich bin kein Arzt. Ich weiß, dass das medizinisch nicht unumstritten ist. Ich kann dir nur sagen, was ich immer und immer wieder erlebt hab. Und bei Kollegen genauso gesehen hab.
Und ich weiß, was du jetzt denkst. Bei mir ist das anders. Nur noch dieses Projekt, dann.
Meine Liste an Ausreden war auch lang.
Jedes Jahr.
Belastung, Erholung, Anpassung
Das Problem ist nicht der Urlaub.
Das Problem sind die Monate davor.
Wenn du dir samstags aus dem Supermarkt Erinnerungsmails schreibst. Wenn du abends im Bett noch viermal das Handy in die Hand nimmst.
Und bevor du dich jetzt schlecht fühlst: Dass du überhaupt so weit gekommen bist, obwohl dir das nie jemand gezeigt hat, sagt eine Menge über dich.
Und damit wir uns richtig verstehen. Der hohe Puls ist nicht das Problem.
Der ist normal. Der ist sogar nötig. Ohne den gibt es keine Budgetrunde, keinen Kundentermin, keinen Launch.
Im Sport ist das genauso. In der Vorbereitung stresst du den Körper bewusst. Du überforderst ihn sogar. Und dann kommt die Erholung, und da wächst er drüber raus.
Belastung. Erholung. Anpassung.
Das ist die Reihenfolge.
Und jetzt schau dir mal deinen Büroalltag an.
Belastung. Belastung. Belastung. Sommerurlaub.
Merkst du, was da fehlt?
Der Puls muss zwischendurch runter. Nicht erst im Urlaub. Zwischendurch.
Und genau da klemmt es. Es gibt tatsächlich Menschen, die halten es an, um später auf Toilette zu gehen, weil sie noch schnell was fertig machen wollen.
Ehrlich jetzt. Das ist doch keine Operation am offenen Herzen.
Deswegen hat kaum einer noch Spielraum, wenn es wirklich drauf ankommt. Und der Urlaub wird zur Notlandung.
Und jetzt mach kurz was mit mir.
Auf einer Skala von eins bis zehn. Wie erholt bist du gerade? Nicht letzte Woche. Nicht wie du sein solltest. Jetzt.
Schreib dir die Zahl auf.
Unter sieben?
Das ist kein Charakterfehler. Das ist Urlaub-zu-Urlaub-Hustlelei ohne Methode.
Die Basics entscheiden über die Meisterschaft
Die meisten denken von Urlaub zu Urlaub. Vollgas, Urlaub, zurück, und es geht sofort wieder los.
Aber die Lösung liegt nicht im nächsten Urlaub.
Guck dir mal Profifußballer an. Die trainieren immer noch Innenseite, Außenseite. Ballan- und Mitnahme. Den einfachen Pass über zehn Meter.
Seit zwanzig Jahren.
Nicht weil sie es nicht können. Damit es sitzt, wenn du sie um drei Uhr nachts weckst.
Die Basics entscheiden über die Meisterschaft. Nicht die seltenen Spielzüge.
Und Erholung ist ein Basic.
Jetzt frag dich mal ehrlich. Wann bist du heute zuletzt aufgestanden, ohne dass du musstest?
Nicht zum Drucker. Nicht zum Termin. Einfach so.
Fällt dir nichts ein? Dann ist genau das dein Startpunkt.
Also, deine eine Sache für diese Woche.
Alle fünfundvierzig bis sechzig Minuten stehst du auf. Nicht sitzen bleiben und durchatmen. Aufstehen. Weg vom Schreibtisch.
Wie die Raucher. Nur ohne Zigarette.
So beschissen ihre Angewohnheit ist, sie zwingt sie jede Stunde zum Ortswechsel. Und genau der Ortswechsel ist der Punkt.
Zwei, drei Minuten. Beine austreten, strecken, ans Fenster. Ohne Handy.
Und wenn du zurückkommst, machst du nicht einfach weiter. Timer stellen. Und dann eine Frage: Was ist jetzt das Wichtigste?
Klingt banal, oder? Ist es auch. Deswegen macht es keiner.
Und ich sag dir gleich, was passiert. An Tag zwei vergisst du es.
Das ist normal. Dein Kalender ist lückenlos gebaut.
Deshalb machst du es an Tag drei einfach wieder.
Die Kirsche auf der Sahne
Und jetzt stell dir den zweiten Urlaubstag vor, an dem du schon da bist. Statt erst anzukommen.
Kein kratzender Hals. Kein Kopf, der brummt. Du liegst auf der Liege, und dein Körper hat nichts nachzuholen.
Wann ist dir das zuletzt gelungen?
Wenn dir da nichts einfällt, dann weißt du jetzt, warum.
Der Urlaub war nie dein Problem. Der Urlaub hat dir nur die Rechnung gezeigt, die das ganze Jahr über offen war.
Wenn du das Jahr über regelmäßig runterkommst, muss der Urlaub nichts mehr reparieren.
Dann ist er nicht die Notbremse. Dann ist er die Kirsche auf der Sahne.
Und damit wir uns richtig verstehen: Das heißt nicht, weniger zu leisten. Ich gebe heute genauso Gas wie damals.
Es heißt nur, nicht Tag und Nacht für jeden erreichbar zu sein, der gerade was will.
Nimm die Pause genauso ernst wie deine Belastung.
Und wenn du bei der Zahl von vorhin unsicher warst, ob fünf oder sieben, dann mach meinen Selbstest, indem du unten auf den Button klickst. Kostenlos, zehn Minuten. Keiner außer dir sieht das Ergebnis.
Denk dran, du bist nur sieben Prinzipien davon entfernt, ein:e Business-Athlet:in zu werden.
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